Omas Schneckennudeln

Morgen ist die Baby Shower für meine Mitbewohner. Eigentlich eine ziemlich nette amerikanische Tradition für Freunde und Familie. Mit "parents to be" führt man beinahe unausweichlich spannende und persönliche Gespräche über Familie im speziellen und das Leben im allgemeinen. Über Traditionen und ob man sie bricht oder mit ihnen lebt. Das ist schön, führte aber ein wenig dazu, dass sich ein wenig Heimweh bei mir breit machte. Ohnehin in der erfreulichen Pflicht etwas süßes für die Baby shower bringen zu müssen versuchte ich meine melancolische Stimmung mit einem von Omas Rezepten zu bekämpfen. Oh und ich wünschte Du könntest hier sein und meine Küche riechen. Wie das duftet!
Immer, wenn wir Oma und Opa besuchen und es ist Kaffezeit, sind zufällig Schneckennudeln im Gefrierfach.
Kurz vor der Heimreise kommt dann oft noch die Frage: "Soll ich noch ein paar Schneckennudeln auftauen? Dann habt ihr was für den Zug!" Und selten haben wir abgelehnt.
Meine ersten eigenen Schneckennudelbackversuche misslangen kläglich. Nicht annähernd reichte das Endergebnis an die gelobte Erinnerung. Und irgendwie sind sie auch diesmal nicht ganz so wie von Oma. Aber vielleicht muss das so sein, dass Oma und Opa einfach die Besten haben. Trotzdem bin ich heute ein klein wenig stolz und ich wünschte ich könnte Oma eine probieren lassen - gespannt auf ihr Urteil.
Der Hefeteig, so geschmeidig war der noch nie, ist regelrecht explodiert. Er wuchs und wuchs und wuchs und wollte gar nicht mehr aufhören. Die Schneckchen sind in einer langen Parade nur so auf die Bleche spaziert ...

Und dann hüpfte eins nach dem anderen goldbraun aus dem Ofen. Erst nur ein paar,..

dann mehr

und noch mehr

bis schliesslich das ganze große Sieb bis über den Rand voll war:

Wir hatten einen Riesen Spaß! Meine Mitbewohnerin hat fleissig Mini-Calzones mit einem (fast) nicht enden wollenden Vorrat an Teig und Brokoli gebacken. Auf dem Herb blubberte ein indisches Eintopfgericht vor sich hin und mir wuchs langsam aber sicher der Teig über den Kopf. Das habe ich noch nie erlebt! Keine Ahnung woran das gelegen haben könnte. Wer weiss ob das feuchtwarme Ostküstenklima daran schuld ist. Bei über 80% Fahrenheit und einer Luftfeuchtigkeit (relative humidity) von 70% hat meine heute schon vom Nichtstun geschwitzt. Wer weiss, vielleicht war das genau das Richtige für meinen Teig. Nach einem fast endlos scheinenden Reigen von kleinen und mittelgroßen Schneckchen hab ich aufgegeben. Der zu einem Zopf geformte Teigrest hat sich, stetig wachsend, im Ofen noch einmal verdoppelt:

Oma sagte: "Wenn Du viele willst, dann nimm 2 Pfund Mehl."
Viele ja, aber doch nicht so viele! Jetzt weiss ich wenigstens woher der nicht versiegende Tiefkühlvorrat an Schneckennudeln kommt.
Zutaten
500g Mehl
1 Pkg Hefe
150 ml Milch
80g Butter
80g Zucker
1 Prise Salz
für die Füllung:
3EL Zimt
4EL Zucker
sehr weiche Butter zum Bestreichen
1 Eigelb
3-4EL Milch
250g Rosinen
Zubereitung
1. den Teig wie hier beschrieben zubereiten.
2. Backofen auf ca 200°C vorheizen.
3. Zimt mit Zucker und in einer separaten Schüssel Ei mit Milch verrühren.
4. Den Teig zu Rechtecken von 60cmx20cm ausrollen, mit Butter bestreichen, mit Zimt - Zucker und Rosinen bestreuen.
5. Entlang der Längskante aufrollen und in Stücke schneiden. Das Ende der kleinen Rolle als Boden unter die Schnecke falten.
6. Schnecken auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen, mit der Ei-Milch-Mischung bestreichen und im Ofen goldbraun backen.
epsilon - 6. Oct, 04:06
3 comments - add comment - 0 trackbacks
Barbara (anonymous) - 6. Oct, 12:45
Meine Oma konnte die auch ganz klasse, ich tue mich auch deutlich schwerer damit ... vielleicht fehlen uns einfach noch ein paar Jahrzehnte Übung?! ;-)
Deine sind aber schön geworden!
Deine sind aber schön geworden!
Zorra - 7. Oct, 11:00
Teige mögen es gerne feucht warm. Du hattest also genau das richtige Klima.
Lecker sehen sie aus!
Lecker sehen sie aus!
epsilon - 9. Oct, 14:33
@Barbara: Jahrzehnte Uebung helfen sicher. Meine Oma hat fuer die meisten Dinge gar kein Rezept mehr. Wenn man sie fragt sagt sie die Zutaten und die Mengenangabe ist immer: "so, dass es passt."
@Zorra: Danke! Sie waren wirklich gut. Ein paar habe ich noch im Gefrierfach, sollte Besuch kommen. :-)
@Zorra: Danke! Sie waren wirklich gut. Ein paar habe ich noch im Gefrierfach, sollte Besuch kommen. :-)




Trackback URL:
http://zuckerundsalz.twoday.net/stories/4324141/modTrackback